Neue Erzieherausbildung? Warum Träger und Gewerkschaften dagegen sind.

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Fachkräftemangel. Das Schlagwort geistert schon seit Jahren durch die Medien und ist auch im pädagogischen Bereich ein großes Thema. Es gibt einfach zu wenige Erzieher*innen. Durch das Gute-Kita-Gesetz und die Fachkräfteoffensive „Erzieherinnen und Erzieher“ soll die Situation verbessert werden. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat noch eine andere Idee: Warum nicht einfach eine neue Ausbildung für die frühkindliche Bildung einführen? Eine Idee, die in Fachkreisen – vorsichtig ausgedrückt – nicht besonders gut ankommt.

In nur drei Jahren zum Abschluss

Natürlich soll diese Berufsausbildung auch einen eigenen Namen bekommen: Der Abschluss staatlich geprüfte*r Fachassistent*in für frühe Bildung und Erziehung soll „zu einer Tätigkeit als Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“ befähigen und parallel zu den bestehenden Modellen angeboten werden. Was ist also der Unterschied zur Erzieherausbildung? In erster Linie die Ausbildungsdauer: Während Erzieher*innen – je nach Bundesland und Praxiserfahrung – nach vier Jahren fertig ausgebildet sind, wären die Fachassistent*innen schon nach drei Jahren voll einsatzfähig.

Protest von Gewerkschaften und Trägern

All das hat eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe der KMK innerhalb des letzten Jahres diskutiert und ausgehandelt. Allerdings ohne die Trägervertreter*innen, Fachschulverbände oder Gewerkschaften zu Rate zu ziehen. Diese äußern jetzt viel Kritik am geplanten Konzept. So schreibt zum Beispiel die Gewerkschaft ver.di in einer gemeinsamen Erklärung mit verschiedenen Verbänden zur neuen Assistenzausbildung: „Sie verhilft weder zu einer Steigerung der Attraktivität des Berufes, noch der Attraktivität des Arbeitsfeldes der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern. Bildung muss den höchsten Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. […] Wenn Investitionen in Bildung Chancengerechtigkeit verwirklichen sollen und Investitionen in Bildung als Standortvorteil Deutschlands betrachtet werden, dann ist es nicht zielführend, die Ausbildungsqualität des Personals in der Kinder- und Jugendhilfe zu verringern und damit eine Absenkung der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsarbeit zu befördern.“ Auch zahlreiche andere Berufsverbände und Träger kritisierten im Rahmen von Positionspapieren und Appellen die geplante Ausbildung.

Zu kurz, zu schlecht, zu günstig

Einer der Kritikpunkte an der geplanten Ausbildung ist die geringere Qualifikation: Kinderbetreuung ist ein anspruchsvoller Beruf, der hochqualifizierte Fachkräfte erfordert. Einen „Sparabschluss“ zu generieren, der junge Menschen schneller in die Praxis bringt, kann nicht die Lösung für den Personalmangel sein. Viel wichtiger wäre es, die aktuellen Ausbildungsberufe zu stärken, attraktiver zu machen und Weiterbildungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Ein Erzieherabschluss liegt nach dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Level 6 – das entspricht dem Qualifikationsniveau des Hochschulbachelors. Deshalb können ausgebildete Erzieher*innen in Deutschland auch ohne Abitur an einer Hochschule oder Universität studieren. Die geplante Fachassistentenausbildung für frühe Bildung und Erziehung entspräche dagegen dem DQR-Niveau 4. Damit stände den Absolvent*innen auch ein geringeres Gehalt zu. Viele Berufsverbände sehen deshalb die Gefahr, dass die „günstigen“ Fachassistent*innen die „teuren“ Erzieher*innen ablösen – auf Kosten der Qualität in der frühkindlichen Pädagogik.

Außerdem gibt es bereits Assistenzberufe im pädagogischen Bereich, zum Beispiel Kinderpfleger*in, Sozialassistent*in und Sozialpädagogische*r Assistent*in. Anstatt diese Ausbildungsberufe zu stärken und die Verknüpfung mit der Erzieherausbildung zu verbessern, soll jetzt also eine neue Ausbildung hinzugefügt werden – ob das sinnvoll ist, wird sich zeigen. 

Was passiert als Nächstes?

Eigentlich sollte der Beschluss schon im November 2019 diskutiert werden.Die Proteste hatten aber Erfolg: Der Entwurf wird überarbeitet und im Mai 2020 erneut vorgestellt. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass die Debatte über die Zukunft der Erzieherausbildung eine breite Öffentlichkeit erreicht. Denn die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern betrifft nicht nur Politiker, Kita-Träger und Fachschulen. Es ist ein Thema, das die Zukunft unserer Gesellschaft betrifft und uns daher alle etwas angeht!

Bildquelle Beitragsbild: © Rawpixel.com/shutterstock.com

Egal wie sich die KMK entscheidet – eine pädagogische Ausbildung ist immer eine gute Wahl! Hier finden Sie unsere Ausbildungen im Bereich Pädagogik & Soziales.

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.