Tag der offenen Tür – Ausbildung gesucht und gefunden

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Junge Menschen mit sozialer Ader rennen offene Türen ein

„Wir brauchen pro Jahr rund 800 neue Erzieher, um den Generationswechsel in den Kitas zu meistern“, sagte der sächsische Kultusminister Christian Piwarz am Freitag.

Welch ein schöner Zufall, dass sowohl die Euro Akademie Chemnitz als auch Rochlitz bereits einen Tag später, am 16. März 2019, ihre Türen öffneten, um Besuchern Einblicke in die Ausbildungen als Sozialassistent und anknüpfendem Erzieher zu geben.

Rechnerisch braucht Sachsen etwa 800 neue Erzieher pro Jahr, um den Bedarf zu decken und die Altersabgänge in den Kitas auszugleichen. In diesem Jahr sind es deutlich mehr, weil der Betreuungsschlüssel verbessert wurde und ab Sommer die Vor- und Nachbereitungszeit anerkannt wird. Nach einer Prognose des Kultusministeriums müssten 2019 insgesamt 2.500 Erzieher eingestellt werden, um den Bedarf zu decken. 2020 sind es 1.022.

Männer in die Kitas

„Der Wunsch, Erzieher zu werden, steht für mich seit zwei Jahren fest“, erklärte Alexander Aulich, der zusammen mit seiner Mutter den Tag der offenen Tür in Chemnitz nutzte. Dabei ist der Oberschüler erst 14 Jahre jung. Ein Alter, in dem viele seiner Klassenkameraden ahnungslos mit den Schultern zucken, wenn man sie fragt, was sie später machen möchten. „Ausschlaggebend war ein Praktikum im Kindergarten. Ich war die einzige männliche Person zwischen den Erzieherinnen. Es war aber ein super Miteinander. Für die Jungen war es, meiner Meinung nach, richtig gut, dass ich da war, denn Fußball spielen stand bis dato nicht vordergründig auf dem Plan. Aber auch die Mädchen kamen gleich auf mich zu. Das fand ich ganz bezaubernd“, schwärmte er von der Unvoreingenommenheit und Zugänglichkeit der Steppkes.

„Da es fünf Wochen am Stück waren – also kein Pappenstiel – wurde er somit schon richtig gefordert. Er bekam einen tieferen Einblick. Das bestärkte uns auch als Familie in der Meinung, dass diese Ausbildung genau das richtige für Alexander ist“, freute sich Susan Aulich über die Berufswahl ihres Sohnes, zumal die Zukunftsperspektiven mehr als vielversprechend und gerade Männer in Kitas gern gesehen sind.

Der Mehrbedarf an Erziehern hängt einerseits mit dem altersbedingten Ausscheiden der momentan Berufstätigen, andererseits mit dem Anstieg der Geburten zusammen. Zudem änderten sich zuletzt gesetzliche Vorgaben. Ab Juni werden den Erziehern zudem bis zu zwei Wochenstunden Vor- und Nachbereitungszeit gewährt. Bis 2020 will Sachsen die Gelder, die dem Freistaat aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz des Bundes zustehen, für die Bezahlung der Vor- und Nachbereitungszeit nutzen.

Doppelt gepunktet

Aus Gehringswalde bei Mittweida reiste Familie Lenz in die Hartmannstraße 3a in Chemnitz an. „Lenz wie der Frühling“ – diktierte Familienoberhaupt Mario Lenz gut gelaunt ins Notizbuch der nachfragenden PR-Referentin. Vorrangig ging es um Tochter Johanna, die auch schon genau weiß, dass sie in der Erzieherin ihre Berufung sieht. Sie will Kinder ganz individuell fördern und fordern und hatte sich schon in einigen Einrichtungen umgeschaut. Letztendlich machten die Chemnitzer Räumlichkeiten verbunden mit einer freundlichen, lockeren Atmosphäre, die Auszubildende und Dozenten im Umgang miteinander ausstrahlten, ihre Entscheidung fest: Ab dem kommenden Schuljahr beginnt sie ihre Ausbildung hier.

Wer denn der junge Mann im Bunde sei, wollte die neugierige Pressefrau auch noch wissen. Der Freund? „Das ist mein Sohn Tom“, schmunzelte da der Vater. „Aha und was macht er beruflich?“, fragte die wissbegierige Frau. „Ich bin Industriemechaniker“, antwortete Tom dann selbst und lachte. „Das ist ja super! Das sind die besten Voraussetzungen um sich beruflich weiterzuentwickeln, eine Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister, zum technischen Fachwirt oder zum Wirtschaftsfachwirt zu machen, nicht wahr?“ „Genau das wollen wir auch“, entgegnete Mario Lenz.

Da sich zum Tag der offenen Tür ebenfalls der kaufmännische Bereich in seinem gesamten Spektrum der Umschulungen und Aufstiegsfortbildungen präsentierte, konnte Familie Lenz praktisch doppelt punkten und trat glücklich ihre Rückfahrt an. Natürlich nicht, ohne sich an den hausgemachten Leckereien wie Quarkbällchen, Gemüsepizza und Karotten-Ingwersuppe gestärkt zu haben.

Kooperationspartner präsentieren sich

Kooperationspartnern aus Pädagogik, Pflege und Heilerziehungspflege stand es zusätzlich offen, den Tag der offenen Tür für ihre eigene Präsentation zu nutzen und so mit potenziellen Bewerbern in Kontakt zu kommen. So machten sich beispielsweise zwei Vertreterinnen des Behindertenzentrums Frauenstein vom Erzgebirge auf den Weg nach Chemnitz, der advita-Pflegedienst stellte sich den jungen Menschen vor und auch Sven Rümmler, seines Zeichens Heimleiter des Seniorenzentrums Emanuel Gottlieb Flemming, nahm die Chance zusammen mit seiner Mitarbeiterin Christin Flechsig wahr.

Musikalische Rundreise durch Südamerika

Auch wenn der Lenz meteorologisch bereits eingeleitet ist, mutete das Wetter in jenen Märztagen doch eher stürmisch kalt mit winterlichen Zügen an. Wie gut, dass es in den Reihen der Deutschkurse der Euro-Schulen Chemnitz zwei musikalische Talente aus Brasilien gibt. Sie verstanden es ausgezeichnet, ihre Lebensart und ihr Temperament auszudrücken: Raquel und Mateus Souza ergänzten das facettenreiche Programm zwischen 10 Uhr und 13 Uhr als Duett mit Klavier und Gesang mit Liedern aus Argentinien, Kuba, Kolumbien und Brasilien.

„Estoy enamorado“- „Ich bin verliebt“, schmetterte Mateus mit seiner klassisch ausgebildeten Stimme und offenen Armen, während seine Frau beherzt in die Tasten griff. „Seit 30 Jahren sind wir verheiratet und seit 20 Jahren machen wir zusammen Musik“, erklärte Raquel Souza nach dieser herzerwärmenden Darbietung, zu der auch „Quantanamera und „Ipanema“ gehörten. Sie hatte viele Jahre als Musiklehrerin gearbeitet. „Es geht um Karneval, Fußball und unsere schönen Frauen“, moderierte Mateus jedes einzelne Stück kurz an.

Mit der Sonne Südamerikas im Herzen bedanken wir uns bei allen Beteiligten, die zum Erfolg dieses Tages beitrugen und wünschen unseren neuen Auszubildenden bereits jetzt eine gute Zeit in unseren Reihen!

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Kristina Neukirch leitet den Bereich Marketing und PR an den Euro Akademien Chemnitz und Rochlitz. Als freie Journalistin im Bereich Bildung berichtet sie in unserem Magazin über die Euro Akademien Chemnitz und Rochlitz und schreibt für die Rubrik "Gesundheit & Pflege". Außerdem ist sie als Dozentin für Deutsch als Zweitsprache tätig.