Was ist schlimmer als angeben? Humblebragging!

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Ihr Kollege ist echt arm dran. Gerade hat er sich wieder eines der interessantesten Projekte unter den Nagel gerissen. Und was sagt er dazu? „Echt anstrengend, dass der Chef nur mir zutraut, das zu übernehmen.“ Humblebragging ist ein interessantes psychologisches Phänomen, das uns ganz schön oft begegnet – vor allem im Netz.

Wer gilt schon gerne als Angeber? Genau, niemand. Wer seine Sonnenseiten trotzdem zur Schau stellen möchte, bedient sich des Humblebraggings. Mit dem Bescheidenheitsprahlen möchte jemand nicht direkt sagen, wie toll er sich eigentlich findet. Trotzdem liegt es ihm am Herzen, dass die Welt erfährt, wie großartig er ist. Deshalb muss die Botschaft eine bescheidene, sogar leidende Verpackung bekommen. Doch diese wirkt leider viel weniger sympathisch, als der Humblebragger es sich wünscht.

Selbstdarstellung überall – aber bitte ohne Angeberei

Wir alle sind hier in einem Zwiespalt: Gerade in den sozialen Medien präsentiert jeder nur die Schokoladenseiten seines Lebens. Selbstdarstellung soweit das Auge reicht. Erfolgreiche YouTuber sind entweder besonders schön, überdurchschnittlich intelligent oder wahnsinnig eloquent. Wer möchte schon den Durchschnitt sehen? Auch im Job soll man mit seinen Fähigkeiten und Talenten selbstbewusst umgehen – egal ob im Bewerbungsgespräch oder bei der Präsentation des neuen Projektes. Andererseits macht man sich mit Selbstdarstellertum ziemlich unbeliebt. Also muss eine sozialverträgliche Lösung her, die sich zwischen Prahlerei und Bescheidenheit bewegt. Dass Hublebragging allerdings nicht das Gelbe vom Ei ist, haben Forscher der Harvard Business School herausgefunden. Das wirkt nämlich noch unsympathischer als offene Angeberei. Einfach, weil sich zur Unbescheidenheit auch noch Unehrlichkeit gesellt. Und von den meisten Menschen wird diese verdeckte Prahlerei schnell durchschaut.

Ehrlichkeit gewinnt – nur vergessen Sie die anderen nicht

Wenn Sie also eine tolle Leistung vollbracht haben oder ein spannendes Projekt durchführen dürfen, sagen Sie lieber „Ich freue mich sehr, dass das so gut gelaufen ist“ oder „Ich freue mich riesig auf die neue Aufgabe, die wir zusammen im Team meistern werden.“

Hier liegt nämlich noch ein Knackpunkt: In den seltensten Fällen arbeiten wir alleine an einem Projekt. Gelungene Arbeiten sind fast immer Gemeinschaftsleistungen. Sich dessen bewusst zu sein, hilft enorm, die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

Selbstdarstellung, Humblebragging, Angeberei? Ein schmaler Grat.

Zwischen der heute ganz üblichen und auch gewünschten positiven Selbstdarstellung , Humblebragging und offener Angeberei ist nur ein schmaler Grat. In erster Linie müssen Sie sich wohlfühlen mit dem, was Sie anderen via Facebook, Twitter und Co. über Ihre Erfolge im Privat- und Berufsleben mitteilen. Vielleicht sollten Sie vor dem Posten Ihres letzten Coups im Job einmal kurz überlegen, was Sie eigentlich damit beabsichtigen. Ansonsten erzählen Sie doch einfach Menschen, die Ihnen nahstehen, was Sie bewegt und worüber Sie sich freuen. Ganz persönlich.

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.