Gedächtnistraining – vom Denk-Pfad bis zur Bildergeschichte

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Unser Körper braucht Bewegung, um gesund zu bleiben. Sollten wir dann auch unser Gehirn trainieren wie einen Muskel? Ja, sollten wir. Welche Trainingsmethoden tatsächlich funktionieren und wie Sie diese anwenden können, haben wir für Sie recherchiert.

Die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns ist vom 16. bis zum 25. Lebensjahr am größten. Danach nimmt sie kontinuierlich ab. Das liegt daran, dass unsere neuronalen Netzwerke, die unter anderem zuständig sind für unsere Konzentration und Aufmerksamkeit, abbauen. Kein Grund zu verzagen! Mit einigen Tricks fordern Sie Ihr Gehirn und bleiben fit im Kopf. Das Denkorgan baut nämlich vor allem dort ab, wo wir es nicht nutzen. Das heißt im Umkehrschluss: Benutzen Sie Ihr Gehirn auf möglichst vielfältige und immer wieder andere Art und Weise, es wird es Ihnen danken.

Um unser Denkorgan zu trainieren, reicht es nicht, jeden Tag ein Kreuzworträtsel zu lösen. Das funktioniert irgendwann automatisiert und fordert das Gehirn nicht wirklich. Stellen Sie sich Aufgaben, die Sie fordern, bei denen Sie umdenken müssen, die Ihnen nicht leicht fallen. Wie bei einem Muskel stellt sich ein Trainingseffekt nämlich nur bei einer ausreichenden Beanspruchung ein – am Ende der Übungseinheit dürfen Sie sich ruhig etwas müde fühlen.

Gehirntraining im Alltag

Schreiben Sie doch als Rechtshänder mal mit der linken Hand Ihren Einkaufszettel. Oder nehmen Sie ab und an einen anderen, Ihnen unbekannten Weg zur Arbeit. Auch Memory spielen mit Kindern hilft, die Merkfähigkeit zu trainieren – machen Sie sich darauf gefasst, dass die Jüngeren in der ersten Zeit haushoch gewinnen werden. Genauso trainieren Sie Ihre grauen Zellen, wenn Sie eine neue Fremdsprache oder ein Musikinstrument erlernen. Es gibt viele Möglichkeiten, das Gehirn im Alltag zu trainieren – wichtig dabei ist, dass Sie etwas tun, was Ihrem Gehirn noch nicht bekannt ist, wofür es neue Verknüpfungen, sogenannte Synapsen, braucht.

Der Denk-Pfad – ein ganzheitliches Gedächtnistraining an der frischen Luft

Besonders aufnahmefähig ist das Gehirn, wenn wir uns bewegen. Bei einem wissenschaftlichen Experiment haben Forscher einen Teil der Probanden auf ein Ergometer gesetzt, die anderen an den Schreibtisch. Beide Gruppen mussten immer schwierigere Mathematikaufgaben lösen. Die Teilnehmer auf dem Ergometer schnitten deutlich besser ab und machten weniger Fehler als die sitzenden Testpersonen.

Der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. hat eigens einen „Denk-Pfad“ entwickelt – ein Gedächtnistraining an der frischen Luft mit Wortspielen, Rechenaufgaben und Wahrnehmungsübungen. „Bewegung erhöht die geistige Leistungsfähigkeit um 20 Prozent […] Die Arbeit des Gehirns raubt Sauerstoff: 70 Liter in 24 Stunden, deshalb ist das Gedächtnistraining an der frischen Luft am effektivsten“, erklärt der Verband auf seiner Internetseite.

Die Übungen des ganzheitlichen Gedächtnistrainings sind abwechslungsreich – langweilig sollte Ihnen beim Denksport nämlich nicht werden, sonst sinkt die Motivation und es bleibt nicht viel hängen in den grauen Zellen. Genauso hemmend für die Aufnahmefähigkeit ist Stress, bei dem Hormone zu viele Nervenzellen in unserem Gehirn aktivieren. Durch die eintretende Überlastung kommt es zu Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen.
Das ganzheitliche Gedächtnistraining bezieht alle Sinne und beide Gehirnareale in das Training mit ein. Die Kombination von Bewegung und Denksport verbessert die Durchblutung und den Stoffwechsel unseres Denkorgans – die Lernfähigkeit nimmt zu, das geistige und körperliche Wohlbefinden verbessert sich.

Lernen mit Bildern im Kopf – die Loci-Methode

Die Loci-Methode verwenden wohl so ziemlich alle Gedächtnissportler. Bei dieser Mnemotechnik setzen Sie selbst ausgedachte Bilder ein, um sich Texte und Zahlen zu merken. Die Loci-Methode ist einfach anzuwenden und effektiv. Am einfachsten ist es, wenn Sie die zu merkenden Dinge mit einzelnen Körperteilen verbinden – die Route beginnt beispielsweise am Fuß und endet am Kopf.

Ihre Einkaufsliste können Sie sich zum Beispiel leichter merken, wenn Sie jedem Körperteil ein Lebensmittel zuordnen und dazu eine kleine Bildergeschichte erfinden. Der Fuß steht beispielsweise für den Salat, das Knie für die Tomaten, der Bauchnabel für das Wasser. Dazu kommt jetzt ein bestimmtes Bild – der Fuß kickt den Salat ins Tor und jongliert die Tomaten auf den Knien, um den Regen mit dem Bauchnabel aufzufangen. Solche Geschichten lassen sich unendlich lange fortführen – wichtig dabei ist, dass Sie sich diese bildlich vorstellen.

Vergessen Sie die Pausen nicht!

Auch Ihr Gehirn braucht einmal Pause. Sie können ja auch nicht einen Achttausender besteigen und sofort danach an einem einen Triathlon teilnehmen. Auch das Gehirn braucht immer mal wieder Ruhezeiten, in denen der Geist still stehen darf. Besonders gut funktioniert das beispielsweise beim Wandern durch die Natur, während einer Yoga-Stunde oder beim Meditieren.

Mit Freude und Sinn zum Lernerfolg

Wichtig ist es außerdem, dass Ihnen das Gedächtnistraining Freude bereitet – das Gehirn funktioniert nämlich nicht rein rational, sondern wird durchaus von Emotionen beeinflusst. Wenn Sie etwas wirklich interessiert, Sie einen Sinn darin sehen etwas zu lernen und das mit einem gewissen Enthusiasmus tun, werden Sie sich schon bald wundern, wie viel Ihr Gehirn leisten kann.

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Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.


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