Praxisanleitung – was ist das eigentlich?

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Im Laufe einer Ausbildung muss man nicht nur theoretische Hintergründe pauken, sondern das Wissen auch praktisch anwenden. In vielen Berufen gilt „Learning by Doing“. Fehler im Praktikum oder im berufspraktischen Teil der Ausbildung sind kein Weltuntergang und helfen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Aber was, wenn Fehler ernsthafte Konsequenzen haben, weil man mit der wichtigsten Sache überhaupt arbeitet – mit Menschen? Wie kann gewährleistet werden, dass Azubis in der Praxis gut eingearbeitet werden, ohne ihnen gleich zu viel zuzumuten? Hier kommen die Praxisanleiter*innen ins Spiel. Gerade in Berufen „mit Menschen“, also in Pädagogik- und Pflegeberufen, ist eine gute Praxisanleitung essentiell, um eine fundierte fachpraktische Ausbildung zu ermöglichen.

Praxisanleitung in der Pflege

„Ich bin damals Praxisanleiterin geworden, weil ich selbst eine tolle Praxisanleitung hatte, die mich eigentlich durch alle Lebenslagen geführt hat.“ Die 28-jährige Alice unterstützt als Praxisanleiterin Schülerinnen und Schüler dabei, Karriere als Mensch zu machen. In der Videoserie Frühspätnachtdienst berichtet sie von ihrem Arbeitsalltag.

Video-Quelle: „Mach Karriere als Mensch!“, BMFSFJ

Seit 2020 gibt es nur noch eine Pflegeausbildung: Pflegefachfrauen oder Pflegefachmännern stehen damit alle Möglichkeiten offen. Ob Pflegeheim, Kinderstation oder ambulanter Pflegedienst – die Einsatzfelder sind vielfältig. Das erfordert natürlich ein breites Basiswissen. Die generalistische Ausbildung ist deshalb von Anfang an darauf ausgelegt, die Theorie im Unterricht und die Praxis im Ausbildungsbetrieb eng zu verzahnen und gegenseitig zu ergänzen. Deshalb erhalten die Schüler*innen im Ausbildungsbetrieb Unterstützung durch eine erfahrene Ansprechpartnerin, einen zuverlässigen Betreuer, eine bestärkende Mentorin, einen kompetenten Lehrer – der Praxisanleitung. Das ist sogar im Pflegeberufegesetz festgehalten: „Wesentlicher Bestandteil der praktischen Ausbildung ist die von den Einrichtungen zu gewährleistende Praxisanleitung im Umfang von mindestens 10 Prozent der während eines Einsatzes zu leistenden praktischen Ausbildungszeit.“ 

Die Aufgaben der Praxisanleitung in der Pflege

Diese wichtige Rolle wird von einer berufspädagogisch qualifizierten Person übernommen. Hauptaufgabe der Praxisanleitung ist natürlich, die Pflegeschüler*innen anzuleiten und die praktische Durchführung der Tätigkeiten mit ihnen zu üben. Dabei ist immer das Ziel, den Auszubildenden die eigenständige Lösung von beruflichen Aufgaben zu vermitteln. Es geht also nicht bloß darum, bestimmte Situationen einzuüben – die angehenden Pflegekräfte sollen nach der Ausbildung auch selbstständig und flexibel auf neue Situationen und Probleme reagieren können. Die Praxisanleiterin oder der Praxisanleiter vermittelt also auch Problemlösungs- und Kommunikationsstrategien.

Wie wird man Praxisanleiterin oder Praxisanleiter? 

Als Pflegefachkraft mit mindestens einjähriger Berufserfahrung können Sie sich zum*r Praxisanleiter*in weiterbilden lassen. An der Euro Akademie können Sie die Weiterbildung in Präsenz absolvieren oder mit einem Blended-Learning-Kurs die Lerninhalte flexibel in ihrem eigenen Lerntempo bearbeiten. Die Fortbildung umfasst 300 Lehrgangsstunden und wird durch ein Praktikum ergänzt. Danach können Sie als Praxisanleiterin oder Praxisanleiter in Ihrer Karriere als Mensch durchstarten. 

So auch Alice. Als Praxisanleiterin nimmt sie sich viel Zeit für ihre Schüler*innen und bereitet sie bestmöglich auf den Beruf vor. Das erfüllt sie dann auch mit Stolz: „Persönlich ziehe ich aus meinem Alltag als Praxisanleitung, wenn die Schülerinnen und Schüler irgendwann komplett selbstständig sind, mit Erfolg ihr Examen in der Hand halten und dann ganz selbstständig ihren Beruf ausüben können.“ 

Praxisanleiter*in für pädagogische Fachkräfte

Auch angehende Erzieher*innen und Kinderpfleger*innen bekommen in der Ausbildung viel theoretisches Wissen vermittelt, dass es dann im praktischen Teil umzusetzen gilt. Praxisanleiter*innen sind die Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis.  Sie unterstützen Auszubildende, Berufseinsteiger*innen und Praktikant*innen in Kita, Kindergarten und Hort.

Die Aufgaben der Praxisanleitung in der Pädagogik

Praxisanleiter*innen sind wichtiger Bestandteil einer guten fachpraktischen Ausbildung und einer erfolgreichen Kooperation zwischen Kita und der Fachschule für Sozialpädagogik.
Praxisanleiter*innen nehmen dabei die Rolle als Berater*in, Moderator*in, Koordinator*in und Vorbild ein. Sie stellen sicher, dass Auszubildende neben ihrem theoretischen Wissenserwerb eine fundierte praktische Ausbildung erfahren. Deshalb muss ein*e Praxisanleiter*in nicht nur über fachliche Qualität und berufliche Erfahrungen, sondern auch Empathie und Reflexionskompetenz verfügen.

Die Praxisanleitung stellt den Azubi bei Mitarbeitenden und Eltern vor und hilft ihm*ihr, sich im Team zu integrieren. Er oder sie plant pädagogische Prozesse, um den Lernenden in verschiedene Tätigkeitsbereiche einzuführen. Daneben dokumentiert die Praxisanleitung den Prozess und gibt regelmäßig Feedback.

Wie wird man Praxisanleiterin oder Praxisanleiter für Erzieher*innen? 

Die Erzieherausbildung ist Ländersache und in jedem Bundesland anders geregelt – so auch die Praxisanleitung. Informieren Sie sich also über die Regelungen in Ihrem Bundesland.

An der Euro Akademie können sich pädagogische Fachkräfte mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung zur Praxisanleitung fortbilden.

Autor

Anna Rüppel

Anna Rüppel ist mit 1,78 m die Größte, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Als Kind war sie kleiner.