Schulische Ausbildung – gut vorbereitet in die Praxis

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Während Sie in einer dualen Ausbildung gleich im Betrieb arbeiten, sammeln Sie bei der schulischen Ausbildung erstmal einiges an Wissen, das Sie dann in Praxiseinsätzen umsetzen dürfen. Für welchen Ausbildungsweg Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Bedürfnissen und von der Ausbildung selbst ab.

Was würden Sie sagen, wenn Sie bei Ihrem nächsten Termin bei der Physiotherapeutin eine Auszubildende im ersten Lehrjahr vor sich hätten, die vor gerade einmal vier Wochen die ihre Lehrzeit begonnen hat und die nun voll motiviert Ihre Rückenschmerzen beseitigen möchte? Ich nehme jetzt mal an, dass Sie es nicht gut fänden.

Wie gut aufgehoben würden Sie sich fühlen, wenn ein Azubi zum Pflegefachmann Ihnen an seinem dritten Arbeitstag eine Infusion anhängt? Jetzt werden Sie vielleicht einwenden, dass es ja schließlich auch erfahrene Kolleg*innen gibt, die Auszubildende unterstützen können. Das ist auch richtig, nur haben die Pflegekräfte ja sowieso schon wenig Zeit für ihre Patient*innen, sodass sie nicht zusätzlich noch die komplette Ausbildung übernehmen können.

Und hier kommen wir schon zu einer wichtigen Erkenntnis: In manchen Berufen ist es einfach sinnvoller, erstmal etwas Theorie zu büffeln und sich gegenseitig „zu pflegen“ und „zu therapieren“.

Physiotherapeut*innen bekommen beispielsweise zunächst einmal grundlegende Kenntnisse der Anatomie und Krankheitslehre vermittelt, sie üben Behandlungstechniken und erfahren so am eigenen Körper, wie sich etwas anfühlt. Außerdem bekommen sie direkt ehrliches Feedback von ihren Mitschüler*innen und werden von erfahrenen Lehrkräften aus der Praxis korrigiert.

Lernen, Üben, Feedback – Betreuung von Azubis wird großgeschrieben

Qualitätsstandards sind in einer Fachschule oder Fachakademie leichter einzuhalten und zu überprüfen. In einzelnen Betrieben ist das kaum möglich. Auch heute müssen sich manche Azubis noch ganz schön auf die Hinterfüße stellen, um nicht zum lebendigen Kaffeeautomaten umfunktioniert zu werden. Die duale Ausbildung hat aber auch Vorteile. Einer davon ist die Nähe zum realen Arbeitsalltag.

Aber auch in der schulischen Ausbildung wird sehr viel Wert auf die praktische Ausbildung gelegt. Angehende Pflegefachmänner und Pflegefachfrauen haben im Wechsel Theorie und Praxis, wobei der theoretische und praktische Unterricht 2.100 an der Euro Akademie und die praktische Ausbildung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sogar 2.500 Stunden umfasst.

Während man also in einer dualen Ausbildung ein, manchmal auch zwei Tage in der Berufsschule verbringt, um theoretische Grundlagen zu erlernen, verbringen angehende Pflegekräfte fast die Hälfte der Zeit in der Pflegefachschule, um dem theoretischen und praktischen Unterricht zu lauschen und pflegerische Handgriffe zu trainieren.

Spitzenreiter unter den Ausbildungen 2022: Pflegefachmann*frau

Auf ausbildung.de ist die Ausbildung zum*r Pflegefachmann*frau 2022 der Spitzenreiter unter den nachgefragtesten Ausbildungsberufen. Übrigens auch bei der Bezahlung während der Ausbildungszeit. Im öffentlichen Dienst belegen die Azubis in Sachen Finanzen einen Spitzenplatz. Laut Beitrag auf altenpflege-online.net „Pflege-Azubis sind Spitzenverdiener“ bekommen Auszubildende zur Pflegefachfrau und zum Pflegefachmann 1.191 Euro (Öffentlicher Dienst: Bund und Gemeinden) beziehungsweise 1.161 Euro (Öffentlicher Dienst: Länder). „Damit erhalten Pflege-Azubis von allen Ausbildungsberufen die höchste Vergütung. Bis zum dritten Ausbildungsjahr steigt die Vergütung auf 1.353 Euro (Bund und Gemeinden) bzw. 1.333 Euro (Länder) an.“ In privaten Einrichtungen ohne Tarifvertrag kann die die Ausbildungsvergütung allerdings auch geringer ausfallen. Der generalistische Ausbildungsgang findet immer an einer Fachschule für Pflege statt, ist also eine klassische schulische Ausbildung.

Auch Erzieher*innen, Physiotherapeut*innen, Ergotherapeut*innen werden traditionell an Fachschulen und Fachakademien ausgebildet. Wie übrigens viele weitere Berufe aus den Bereichen Gesundheit, Pädagogik und Sprachen. Die schulischen Ausbildungen bieten eine Kombination aus Schule und Praxiseinsätzen, wobei der schulische Anteil größer ist als in einer dualen Berufsausbildung.

Schulische Ausbildung für Sprachtalente

Auch zukünftige Übersetzer*innen und Dolmetscher*innen und Fremdsprachenkorrespondent*innen werden schulisch ausgebildet und können parallel dazu Praktika im In- oder Ausland machen. Um einen Text zu übersetzen oder sogar auf Kongressen oder Messen zu dolmetschen, benötigt man sehr gute Kenntnisse der Fremdsprache. In kleinen Klassen werden die Schüler*innen der Euro Akademie intensiv auf ihre spätere Tätigkeit vorbereitet. Sie bekommen eine Menge Vokabular an die Hand, erwerben Wissen in interkultureller Kommunikation und Wirtschaft.

Während Azubis in der dualen Ausbildung die spezifischen Abläufe im eigenen Betrieb erlernen, sind Wissensvermittlung und Unterrichtsinhalte in der schulischen Ausbildung erstmal für alle gleich. Praxiserfahrung sammeln die Schüler*innen in der Regel nicht bei einem, sondern bei mehreren Unternehmen und Einrichtungen. Schüler*innen bekommen also Einblick in Arbeits- und Betriebsabläufe verschiedener Betriebe, Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Während des Praktikums stehen den Azubis Praxisbetreuer*innen zur Seite. Er oder sie kann direkt Fragen beantworten Unsicherheiten ausräumen oder bei Problemen unterstützen.

Bildquelle Beitragsbild: © fizkes /shutterstock.com

Autor

Tanja Höfling

Seit Juli 2017 informiert die Online-Redakteurin des Euro Akademie Magazins regelmäßig über Aktuelles und Wissenswertes zu den Themen Ausbildung, Studium und Beruf.