Sprachenlernen mit Musik

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Es ist Abend. Paul sitzt an seinem Schreibtisch. Vor ihm liegt ein Berg an zu lernenden Wörtern – als Karteikarten, im Vokabelheft oder ganz einfach im Sprachbuch. Durch Wiederholen, mit Merksätzen und Definitionen büffelt Paul so viel wie in seinen Kopf geht. Das ist langweilig, frustrierend und der Langzeiterfolg bleibt aus.

Wie Paul geht es leider vielen Menschen, die verzweifelt versuchen, eine Sprache zu lernen. Aufzugeben ist keine Alternative, schließlich ist die Möglichkeit, sich international verständigen zu können, für Arbeitgeber von immer größerer Bedeutung. Mit einer etwas anderen Herangehensweise könnten sie sich ihr Leben dennoch wesentlich einfacher machen.

Das größte Problem ist die mangelnde Motivation. Woher soll die auch kommen, wenn man mit der Fremdsprache nur lästige Stunden voller Vokabelpauken verbindet? Verpacken Sie die Lernerei mit Musik etwas interessanter, fällt es Ihnen schnell leichter und macht womöglich sogar Spaß.

Den richtigen Rhythmus finden

Die Musik beim Lernen ausmachen? Von wegen! Sich mit dem Lieblingslied zu beschäftigen, ist ein riesiger Motivator beim Sprachenlernen. Was Sie ohnehin gerne hören, singen Sie ebenso gerne mit und wollen es verstehen. Den kompletten Text stur mit dem Wörterbuch zu übersetzen, kann allerdings auch ein Spaßkiller sein. Daher empfiehlt es sich, langsam Schritt für Schritt vorzugehen.

Zuerst muss das richtige Lied gefunden werden. Wenn Sie nicht gerade Englisch lernen, müssen Sie dazu vielleicht ein bisschen im Internet suchen. Es sollte nicht zu schnell sein, gut verständlich und Ihnen gefallen, schließlich geht es um Motivation. Nun hören Sie sich das Stück einige Male an, um ein Gefühl für die Sprache und die Stimmung zu bekommen. Dann beginnen Sie mit Hilfe der Pause-, Spul- und Playtasten die Wörter aufzuschreiben, die Sie erkennen. Die Bedeutung ist dabei erst einmal zweitrangig. Nehmen Sie sich für den Anfang erst einmal nur eine Strophe oder nur den Refrain vor, damit das Pensum überschaubar bleibt.

Sobald Sie wirklich alles aufgeschrieben haben, was Sie verstehen, suchen Sie sich anschließend online den Originaltext. Jetzt wird verglichen, ob die eigenen Notizen damit übereinstimmen. Beim nochmaligen Abspielen des Stücks achten Sie besonders auf die Stellen, bei denen Sie vorher etwas Falsches gehört haben.

Eine Bildergeschichte

Bis hierhin ist schon einiges vom Lied verständlich, aber das ein oder andere unbekannte Wort steckt sicherlich immer noch im Text. Das wird nun geändert, indem Sie die fehlenden Bedeutungen nachschlagen. Hilfreich dabei sind beispielsweise die Seiten pons.eu, langenscheidt.de oder dict.cc. Ist die deutsche Entsprechung für jedes Wort und jeden Ausdruck gefunden, erschließt sich auch die Aussage des Abschnitts. Als letzten Schritt sollten Sie sich den Inhalt so bildhaft wie möglich vorstellen, sodass zur Musik eine Geschichte vor dem inneren Auge abläuft.

Passives Sprachenlernen

Damit ist die Lernphase aber noch gar nicht beendet. Um so weit zu kommen, musste das Stück immer und immer wieder angehört werden. Nur weil Sie beschließen, dass es genug ist, hört Ihr Gehirn noch lange nicht auf. Ohrwurm sei Dank, werden Sie sich noch länger an dieser Melodie erfreuen. Und völlig unbeabsichtigt laufen die Bilder in der Vorstellung dazu mit und Sie wiederholen die neu gelernten Vokabeln.
Effektiv ist es zudem, das Lied auf dem Weg zur Schule zu hören, um sich den Wortschatz wieder ins Gedächtnis zu rufen. Noch besser wäre es, mitzusingen – aber dann vielleicht doch besser daheim.

Hilfe für Anfänger

Wer noch nicht ganz so viele Vokabeln kennt, dem wird es schwerfallen, eine ganze Strophe herauszuhören. Als Unterstützung bietet sich die Webseite LyricsGaps an. In unterschiedlichen Sprachen stehen dort zahlreiche Liedtexte diverser Bands zur Verfügung und sind bereits als leicht, mittel oder schwer gekennzeichnet. Haben Sie sich für ein Stück entschieden, gibt es die Möglichkeit, den Text zur Musik mitzulesen. Das passende YouTube-Video ist direkt in die Seite eingebunden.

Etwas interessanter wird es, wenn Sie das Lied als Lückentext vorliegen haben. In der Anfänger-Version werden pro fehlendem Wort noch mehrere Begriffe vorgeschlagen. Keine Auswahl mehr gibt es dagegen in der nächsthöheren Schwierigkeitsstufe. Wem das immer noch zu einfach ist, der kann sich am Experten-Niveau mit besonders vielen Lücken versuchen. Auf diese Weise wird aus der Übung ein Spiel mit Musik – wie könnte Sprachenlernen motivierender sein?

Auf dem Weg zum Lieblingslehrer

Zum Einführen neuer Vokabeln und Wiederholen der bereits bekannten bietet sich ein Liedtext ebenso für den Unterricht an. Das kann schnell zu bisher unbekannten Ausmaßen an Aufmerksamkeit von Seiten der Schüler kommen. Je populärer der Künstler und das Stück in der Klasse sind, umso besser stehen die Chancen für gute Mitarbeit. Natürlich sollte der Lehrer die Musik dann auch abspielen.
Wem die Materialien dafür fehlen, der kann sich ebenfalls auf LyricsGaps bedienen. Dort wird Lehrern eine kostenlose Registrierung angeboten, um sich Übungen zusammenzustellen. Damit kommt etwas Schwung in den Unterricht und sogar Paul ist zum Sprachenlernen motiviert.

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Autor

Katharina Boyens

Seit März 2016 wird das Redaktionsteam des Euro Akademie Magazins durch Katharina Boyens als Online-Redakteurin verstärkt. Die Germanistin und Anglistin informiert Sie regelmäßig mit Beiträgen in verschiedenen Rubriken.


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2 Kommentare

  1. Avatar

    Interessante Geschichte, wie Paul mit Musik eine Sprache lernt. Finde ich eine gute Idee. Werde ich direkt in den nächsten Tagen mal ausprobieren. Und sehen, wie gut es funktioniert.

    • Tanja Höfling
      Tanja Höfling on

      Hallo Herr Heini,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Dann sind wir gespannt auf Ihre Lernerfolge! Übrigens hat auch das Mitsingen von Liedern in der entsprechenden Fremdsprache, laut einer Studie von Dr. Katie Overy der University of Edinburgh, einen großen Lerneffekt.

      Beste Grüße
      Tanja Höfling